- Fensterkitt eignet sich vor allem für Altbaufenster mit Holzrahmen und einfacher Verglasung.
- Silikon ist flexibler, wetterbeständiger und die bessere Wahl bei modernen Kunststoff- und Alufenstern.
- Im Altbau kann Fensterkitt aus Denkmalschutzgründen sogar vorgeschrieben sein.
- Für die meisten heutigen Fensterabdichtungen ist Silikon oder Hybridpolymer die sinnvollere Lösung.
- Beide Materialien lassen sich mit etwas Übung selbst verarbeiten.
Alte Fenster, zugige Rahmen, bröckelnder Kitt. Wenn du dich fragst, ob du beim Abdichten deiner Fenster lieber zu Fensterkitt oder Silikon greifen solltest, bist du nicht allein. Die Frage taucht bei fast jeder Renovierung auf, und die Antwort hängt von mehr ab, als du vielleicht denkst.
Fensterkitt hat Generationen von Häusern zusammengehalten. Silikon ist der moderne Standard. Doch welches Material passt wirklich zu deinem Projekt? In diesem Ratgeber erfährst du, worin sich beide unterscheiden, wann welches Material Sinn ergibt und welche Fehler du unbedingt vermeiden solltest.
Was ist Fensterkitt und wofür wird er verwendet?
Fensterkitt (auch Glaserkitt genannt) ist eine pastöse Masse aus Leinöl und Kreide, die seit Jahrhunderten zum Einsetzen und Abdichten von Glasscheiben in Holzrahmen dient. Wenn du an alte Altbaufenster denkst, siehst du wahrscheinlich genau diese typische, graubraune Masse zwischen Glas und Holzrahmen.
Frisch aufgetragen ist Fensterkitt weich und formbar. Über Wochen und Monate härtet er aus, wobei das Leinöl oxidiert und eine feste, aber leicht spröde Oberfläche bildet. Genau diese Eigenschaft macht ihn für bestimmte Anwendungen ideal, bringt aber auch Nachteile mit sich.
Typische Einsatzgebiete für Fensterkitt sind einfach verglaste Holzfenster im Altbau, historische Gebäude unter Denkmalschutz und die Restaurierung von Kastenfenstern. Wenn du ein Haus aus der Gründerzeit oder der Nachkriegszeit renovierst, wirst du fast sicher auf alten Fensterkitt stoßen, den du ähnlich wie bei einer Balkontür erst einmal richtig instand setzen musst.
Was macht Silikon als Dichtmittel so beliebt?
Silikon ist ein synthetisches Polymer auf Siliziumbasis. Es bleibt nach dem Aushärten dauerhaft elastisch, und genau das ist sein größter Vorteil gegenüber Fensterkitt. Während Kitt über die Jahre verhärtet und rissig wird, federt Silikon Temperaturschwankungen und Bewegungen des Rahmens zuverlässig ab.
Für Fensterabdichtungen kommt üblicherweise sogenanntes Sanitär- oder Fenstersilikon zum Einsatz. Es haftet auf Glas, Kunststoff, Aluminium und Holz, ist UV-beständig und wasserabweisend. Die Verarbeitung gelingt mit einer handelsüblichen Kartuschenpistole, und nach etwa 24 Stunden ist die Fuge belastbar.
Ein weiterer Pluspunkt: Silikon gibt es in zahlreichen Farben, von transparent über weiß bis anthrazit. So passt du die Abdichtung optisch an deine Fensterrahmen an, ohne später überstreichen zu müssen.
Fensterkitt oder Silikon: Der direkte Vergleich
Damit du eine fundierte Entscheidung treffen kannst, hier die wichtigsten Unterschiede beider Materialien im Überblick.
Haltbarkeit und Flexibilität
Fensterkitt hält bei guter Verarbeitung zwischen 10 und 20 Jahren, bevor er spröde wird und erneuert werden muss. Silikon bringt es auf 15 bis 25 Jahre Lebensdauer und bleibt dabei elastisch. Gerade bei Fenstern, die regelmäßig geöffnet und geschlossen werden, macht sich diese Flexibilität bemerkbar, weil Silikon die Bewegung mitmacht, ohne zu reißen.
Verarbeitung
Fensterkitt wird traditionell mit einem Kittmesser oder Spachtel aufgetragen und glattgezogen. Das braucht Übung und etwas Geduld, denn die Masse muss gleichmäßig und in der richtigen Stärke aufgetragen werden. Silikon lässt sich mit einer Kartuschenpistole deutlich schneller und gleichmäßiger auftragen, wobei du die Fuge anschließend mit einem Fugenglätter oder dem angefeuchteten Finger abziehst.
Bei beiden Materialien gilt: Saubere Untergründe sind das A und O. Alte Kittreste, Staub und Fett müssen vor dem Auftragen restlos entfernt werden.
Witterungsbeständigkeit
Silikon ist hier klar im Vorteil. Es verträgt Temperaturen von etwa -40 bis +180 Grad Celsius, ist wasserabweisend und UV-beständig. Fensterkitt hingegen wird durch starke Sonneneinstrahlung und Frost mit der Zeit porös. Besonders auf der Wetterseite deines Hauses macht sich dieser Unterschied nach einigen Jahren deutlich bemerkbar.
Optik und Überstreichen
Fensterkitt lässt sich nach dem Aushärten problemlos mit Fassadenfarbe oder Holzschutzlack überstreichen. Das ist ein echter Vorteil bei denkmalgeschützten Gebäuden, wo die Fenster ein einheitliches Erscheinungsbild haben sollen. Silikon dagegen ist in den meisten Fällen nicht überstreichbar. Es gibt zwar spezielle überstreichbare Silikone, doch die Haftung der Farbe bleibt oft ein Kompromiss.
Kosten
Preislich nehmen sich beide Materialien nicht viel. Eine Dose Fensterkitt (ca. 500 g) kostet zwischen 5 und 10 Euro, eine Kartusche Fenstersilikon liegt bei 4 bis 12 Euro. Die Kartuschenpistole schlägt einmalig mit 5 bis 15 Euro zu Buche. Bei großen Projekten ist Silikon durch die schnellere Verarbeitung oft günstiger, wenn du die Arbeitszeit einrechnest.
Wann du Fensterkitt verwenden solltest
Fensterkitt ist nicht veraltet. Er hat nach wie vor seine Berechtigung, und zwar in diesen Situationen.
- Altbaufenster mit einfacher Verglasung in Holzrahmen, bei denen du den ursprünglichen Charakter erhalten willst
- Denkmalgeschützte Gebäude, bei denen die Denkmalschutzbehörde historisch korrekte Materialien vorschreibt
- Kastenfenster-Restaurierung, bei der die inneren Flügel ohnehin vor der Witterung geschützt sind
- Kleine Ausbesserungen an bestehenden Kittfugen, wenn der Rest noch intakt ist
Wenn du Fensterkitt erneuern möchtest, entferne zuerst den alten Kitt vollständig. Ein Heißluftföhn macht die Masse weich, sodass du sie mit einem Stechbeitel oder Kittmesser abheben kannst. Anschließend grundierst du das blanke Holz mit Leinölfirnis, bevor du den neuen Kitt aufträgst. Dieser Schritt ist entscheidend, weil der Kitt sonst zu schnell austrocknet und nicht richtig haftet.
Wann Silikon die bessere Wahl ist
Für die meisten modernen Fensterabdichtungen ist Silikon die sinnvollere Fensterkitt Alternative. Das gilt besonders in diesen Fällen.
- Kunststoff- und Aluminiumfenster, auf denen Fensterkitt schlecht haftet
- Isolierverglasung, bei der die Fuge zwischen Rahmen und Glas dauerhaft elastisch bleiben muss
- Fenster auf der Wetterseite, die starkem Regen, Wind und UV-Strahlung ausgesetzt sind
- Anschlussfugen zwischen Fensterrahmen und Mauerwerk, wo Bewegungen durch Temperaturschwankungen auftreten
Achte beim Kauf darauf, dass du ein Silikon speziell für den Fensterbereich wählst. Sanitärsilikon enthält Fungizide gegen Schimmel, ist aber für Außenanwendungen oft nicht UV-beständig genug. Fenstersilikon oder Naturstein-Silikon (bei Steinfensterbänken) sind die richtige Wahl. Wer gleichzeitig über elektrische Rollläden nachdenkt, sollte die Abdichtung direkt mit einplanen.
Fensterkitt Alternative: Hybridpolymere und Acryl
Neben Fensterkitt und Silikon gibt es noch weitere Dichtmaterialien, die du kennen solltest.
Hybridpolymere (MS-Polymer) vereinen die Vorteile beider Welten. Sie sind elastisch wie Silikon, lassen sich aber wie Fensterkitt überstreichen. Für viele Profis sind sie mittlerweile das Material der Wahl, besonders im Holzfensterbereich. Der Preis liegt etwas über dem von Silikon (8 bis 15 Euro pro Kartusche), der Mehrpreis lohnt sich aber in den meisten Fällen.
Acryl-Dichtstoff ist überstreichbar und günstig, eignet sich aber nur für den Innenbereich. Im Außenbereich wird Acryl mit der Zeit rissig, weil es nicht dauerhaft elastisch bleibt. Für Fensterabdichtungen im Außenbereich ist Acryl deshalb keine empfehlenswerte Option.
Fenster abdichten: Schritt-für-Schritt-Anleitung
Egal ob du dich für Fensterkitt oder Silikon entscheidest, die Vorbereitung ist bei beiden Materialien ähnlich.
Vorbereitung
- Alten Kitt oder altes Silikon restlos entfernen (Cuttermesser, Kittmesser, bei hartem Kitt Heißluftföhn)
- Untergrund reinigen, entfetten und trocknen lassen
- Bei Holzrahmen: Blankes Holz mit Leinölfirnis oder Tiefengrund vorbehandeln
- Abklebeband (Malerkrepp) an beiden Seiten der Fuge anbringen
Verarbeitung mit Fensterkitt
- Kitt in den Händen durchkneten, bis er geschmeidig ist
- Eine Kittrolle formen und in die Fuge drücken
- Mit dem Kittmesser im 45-Grad-Winkel glattziehen
- Überstehenden Kitt mit dem Messer abschneiden
- Mindestens 2 bis 3 Wochen trocknen lassen, bevor du überstreichen kannst
Verarbeitung mit Silikon
- Kartusche schräg anschneiden (ca. 45 Grad, Öffnung passend zur Fugenbreite)
- Silikon gleichmäßig und ohne Unterbrechung in die Fuge spritzen
- Innerhalb von 5 bis 10 Minuten mit angefeuchtetem Fugenglätter abziehen
- Abklebeband sofort entfernen, solange das Silikon noch feucht ist
- 24 Stunden aushärten lassen, nicht berühren
Häufige Fehler beim Fenster abdichten
Diese Fehler sieht man immer wieder, und sie lassen sich leicht vermeiden.
- Feuchtigkeit ignorieren: Wer bei Regen oder auf nassem Holz arbeitet, riskiert schlechte Haftung und Schimmelbildung unter der Dichtmasse.
- Alten Kitt nicht vollständig entfernt: Neuer Kitt oder neues Silikon auf Resten des alten Materials hält nicht dauerhaft. Nimm dir die Zeit und entferne alles bis auf den blanken Untergrund.
- Falsches Silikon gewählt: Essigvernetzendes Silikon (riecht nach Essig) greift Metalle an und ist für Fenster mit Metallbeschlägen ungeeignet. Greife zu neutralvernetzendem Silikon.
- Zu dick aufgetragen: Mehr ist nicht besser. Eine Silikonfuge sollte maximal 10 bis 15 mm breit und etwa gleich tief sein. Überschüssiges Material reißt eher ab.
- Abklebeband zu spät entfernt: Wenn du das Kreppband erst nach dem Antrocknen abziehst, reißt du Teile der Fuge mit ab. Immer sofort nach dem Glätten entfernen.
- Grundierung vergessen: Gerade bei Holzrahmen saugt das unbehandelte Holz das Öl aus dem Kitt, sodass er zu schnell aushärtet und bröselt.
Fazit
Fensterkitt oder Silikon? Die Antwort ist weniger eine Glaubensfrage als eine Materialfrage. Wenn du Altbaufenster mit Holzrahmen restaurierst und den historischen Charakter bewahren willst (oder musst), ist Fensterkitt nach wie vor das richtige Material. Für praktisch alle anderen Anwendungen, ob Kunststofffenster, Isolierverglasung oder Anschlussfugen am Mauerwerk, bist du mit Silikon oder Hybridpolymer besser beraten.
Entscheidend ist am Ende nicht nur das Material, sondern die saubere Vorbereitung. Wer den alten Belag gründlich entfernt, den Untergrund richtig vorbehandelt und bei der Verarbeitung sorgfältig arbeitet, wird mit beiden Materialien ein gutes Ergebnis erzielen. Im Zweifel greifst du zu Hybridpolymer: elastisch, überstreichbar und für innen wie außen geeignet.
FAQ
Kann ich Silikon auf alten Fensterkitt auftragen?
Nein, das solltest du vermeiden. Silikon haftet auf altem Kitt nicht zuverlässig, weil die Oberfläche des Kitts oft porös und fettig ist. Entferne den alten Kitt vollständig, reinige den Untergrund und trage dann frisches Silikon auf den sauberen Rahmen auf.
Wie lange muss Fensterkitt trocknen, bevor ich streichen kann?
Fensterkitt braucht je nach Schichtstärke und Witterung zwischen 2 und 4 Wochen zum Aushärten. Erst dann kannst du ihn mit Leinölfarbe oder Alkydharzlack überstreichen. Dispersionsfarbe (Wandfarbe) ist für Fensterkitt nicht geeignet, weil sie die Durchhärtung behindert.
Welches Silikon eignet sich am besten für Fenster?
Verwende neutralvernetzendes Fenstersilikon für den Außenbereich. Es ist UV-beständig, greift keine Metalle an und bleibt dauerhaft elastisch. Für den Innenbereich eignet sich auch Sanitärsilikon mit Schimmelschutz. Achte auf Qualitätsprodukte von Herstellern wie Ottoseal, Würth oder Soudal.
Ist Fensterkitt gesundheitsschädlich?
Moderner Fensterkitt auf Leinölbasis ist in der Verarbeitung unbedenklich. Vorsicht ist bei altem Kitt geboten, der vor 1980 verarbeitet wurde. Dieser kann bleihaltige Pigmente enthalten. Trage beim Entfernen alten Kitts Handschuhe und eine Staubmaske, und entsorge die Reste über den Sondermüll.
Gibt es eine Alternative, die sich überstreichen lässt und trotzdem elastisch bleibt?
Ja, Hybridpolymere (auch MS-Polymer genannt) bieten genau das. Sie sind dauerhaft elastisch, lassen sich mit jeder handelsüblichen Farbe überstreichen und haften auf praktisch allen Untergründen. Für Holzfenster, bei denen du Wert auf eine einheitlich gestrichene Oberfläche legst, sind sie die beste Wahl.
