
- Fensterkitt eignet sich vor allem für Altbaufenster mit Holzrahmen und einfacher Verglasung.
- Silikon ist flexibler, wetterbeständiger und die bessere Wahl bei modernen Kunststoff- und Alufenstern.
- Im Altbau kann Fensterkitt aus Denkmalschutzgründen sogar vorgeschrieben sein.
- Für die meisten heutigen Fensterabdichtungen ist Silikon oder Hybridpolymer die sinnvollere Lösung.
- Fensterkitt, der bis Anfang der 1990er-Jahre verarbeitet wurde, kann Asbestfasern enthalten – alter Kitt sollte deshalb nicht in Eigenregie entfernt werden, das gehört in die Hand eines Fachbetriebs.
Alte Fenster, zugige Rahmen, bröckelnder Kitt. Wenn du dich fragst, ob dein Fenster besser mit Fensterkitt oder Silikon abgedichtet werden sollte, bist du nicht allein. Die Frage taucht bei fast jeder Renovierung auf, und die Antwort hängt von mehr ab, als du vielleicht denkst.
Fensterkitt hat Generationen von Häusern zusammengehalten. Silikon ist der moderne Standard. Doch welches Material passt wirklich zu deinem Fenster? In diesem Ratgeber erfährst du, worin sich beide unterscheiden, wann welches Material Sinn ergibt und worauf du bei der Ausführung achten solltest.
Was ist Fensterkitt und wofür wird er verwendet?
Fensterkitt (auch Glaserkitt genannt) ist eine pastöse Masse aus Leinöl und Kreide, die seit Jahrhunderten zum Einsetzen und Abdichten von Glasscheiben in Holzrahmen dient. Wenn du an alte Altbaufenster denkst, siehst du wahrscheinlich genau diese typische, graubraune Masse zwischen Glas und Holzrahmen.
Frisch aufgetragen ist Fensterkitt weich und formbar. Über Wochen und Monate härtet er aus, wobei das Leinöl oxidiert und eine feste, aber leicht spröde Oberfläche bildet. Genau diese Eigenschaft macht ihn für bestimmte Anwendungen ideal, bringt aber auch Nachteile mit sich.
Typische Einsatzgebiete für Fensterkitt sind einfach verglaste Holzfenster im Altbau, historische Gebäude unter Denkmalschutz und die Restaurierung von Kastenfenstern. Wenn du ein Haus aus der Gründerzeit oder der Nachkriegszeit besitzt, wirst du fast sicher auf alten Fensterkitt stoßen.
Was macht Silikon als Dichtmittel so beliebt?
Silikon ist ein synthetisches Polymer auf Siliziumbasis. Es bleibt nach dem Aushärten dauerhaft elastisch, und genau das ist sein größter Vorteil gegenüber Fensterkitt. Während Kitt über die Jahre verhärtet und rissig wird, federt Silikon Temperaturschwankungen und Bewegungen des Rahmens zuverlässig ab.
Für Fensterabdichtungen kommt üblicherweise sogenanntes Fenstersilikon zum Einsatz. Es haftet auf Glas, Kunststoff, Aluminium und Holz, ist UV-beständig und wasserabweisend. Wann eine Silikonfuge belastbar ist, hängt von Produkt und Fugentiefe ab und steht im Datenblatt des Herstellers.
Ein weiterer Pluspunkt: Silikon gibt es in zahlreichen Farben, von transparent über weiß bis anthrazit. So passt sich die Abdichtung optisch an den Fensterrahmen an, ohne später überstrichen werden zu müssen.
Fensterkitt oder Silikon: Der direkte Vergleich
Hier die wichtigsten Unterschiede beider Materialien im Überblick.
Haltbarkeit und Flexibilität
Fensterkitt härtet mit den Jahren aus, wird irgendwann spröde und muss dann erneuert werden – wie lange er hält, hängt stark von Anstrich und Pflege ab. Silikon bleibt elastisch, auch Silikonfugen müssen aber regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf erneuert werden. Gerade bei Fenstern, die regelmäßig geöffnet und geschlossen werden, macht sich diese Flexibilität bemerkbar, weil Silikon die Bewegung mitmacht, ohne zu reißen.
Verarbeitung
Fensterkitt wird traditionell mit einem Kittmesser oder Spachtel aufgetragen und glattgezogen – das braucht Übung, weil die Masse gleichmäßig und in der richtigen Stärke sitzen muss. Silikon lässt sich mit einer Kartuschenpistole deutlich schneller und gleichmäßiger auftragen. Bei beiden Materialien gilt: Ein sauberer, fettfreier Untergrund ist entscheidend für die Haltbarkeit.
Witterungsbeständigkeit
Silikon ist hier klar im Vorteil. Es ist wasserabweisend, UV-beständig und verträgt große Temperaturspannen – ein gängiges Fenstersilikon ist laut Herstellerdatenblatt von -60 bis +180 Grad Celsius beständig. Fensterkitt hingegen wird durch starke Sonneneinstrahlung und Frost mit der Zeit porös. Besonders auf der Wetterseite eines Hauses macht sich dieser Unterschied nach einigen Jahren deutlich bemerkbar.
Optik und Überstreichen
Fensterkitt muss nach der Hautbildung überstrichen werden – der Anstrich ist sein Witterungsschutz, keine Kosmetik. Auf die Farbe kommt es dabei an: Gefordert ist ein witterungsbeständiger, deckender Alkydharz-Anstrich. Wasserbasierte Systeme sind ungeeignet – das Datenblatt des LINOX-Glaserkitts formuliert das unmissverständlich: „durch einen witterungsbeständigen, deckenden Alkydharz-Anstrich vollflächig schützen (Achtung: keine wässrigen Systeme benutzen!)“. Eine wasserbasierte Fassadenfarbe scheidet damit aus. Dass sich Kitt überstreichen lässt, ist ein echter Vorteil bei denkmalgeschützten Gebäuden, wo die Fenster ein einheitliches Erscheinungsbild haben sollen. Silikon dagegen ist in den meisten Fällen nicht überstreichbar. Es gibt zwar spezielle überstreichbare Silikone, doch die Haftung der Farbe bleibt oft ein Kompromiss.
Kosten
Preislich nehmen sich beide Materialien nicht viel. Eine Dose Fensterkitt (ca. 500 g) kostet zwischen 5 und 10 Euro, eine Kartusche Fenstersilikon liegt bei 4 bis 12 Euro. Bei größeren Fensterfronten ist Silikon durch die schnellere Verarbeitung oft die wirtschaftlichere Wahl.
Wann Fensterkitt die richtige Wahl ist
Fensterkitt ist nicht veraltet. Er hat nach wie vor seine Berechtigung, und zwar in diesen Situationen.
- Altbaufenster mit einfacher Verglasung in Holzrahmen, bei denen der ursprüngliche Charakter erhalten bleiben soll
- Denkmalgeschützte Gebäude, bei denen die Denkmalschutzbehörde historisch korrekte Materialien vorschreibt
- Kastenfenster-Restaurierung, bei der die inneren Flügel ohnehin vor der Witterung geschützt sind
- Kleine Ausbesserungen an bestehenden Kittfugen, wenn der Rest noch intakt ist – bei älterem Kitt wegen möglicher Asbestbelastung durch einen Fachbetrieb
Wichtig beim alten Kitt: Fensterkitt, der bis Anfang der 1990er-Jahre verarbeitet wurde, kann Asbestfasern enthalten. Ob und wie stark das bei deinen Fenstern der Fall ist, lässt sich ohne Laboranalyse einer Probe nicht sicher sagen. Für das Entfernen und Erneuern von Altkitt an historischen Fenstern ist deshalb ein Fachbetrieb oder Restaurator die richtige Adresse – er weiß, wie mit möglicherweise belastetem Material sicher umzugehen ist und wie die Anschlussarbeiten (Grundierung, Anstrich) fachgerecht ablaufen.
⚠️ Selbstentzündungsgefahr bei Leinöl-Produkten
Mit Leinöl, Leinölfirnis oder Holzöl getränkte Lappen, Pads und Schleifstäube können sich von allein entzünden. Beim Aushärten oxidiert das Öl und setzt Wärme frei, die sich im zusammengeknüllten Tuch staut. Solche Lappen gehören einzeln und flach ausgebreitet zum Trocknen ins Freie oder luftdicht in einen Metallbehälter mit Wasser – niemals geknüllt in den Eimer oder die Mülltonne. Das gilt unabhängig davon, ob die Fensterarbeiten in Eigenregie oder durch einen Betrieb erfolgen, etwa wenn im Haushalt sonst mit Leinölprodukten gearbeitet wird.
Wann Silikon die bessere Wahl ist
Für die meisten modernen Fensterabdichtungen ist Silikon die sinnvollere Fensterkitt-Alternative. Das gilt besonders in diesen Fällen.
- Kunststoff- und Aluminiumfenster, auf denen Fensterkitt schlecht haftet
- Isolierverglasung, bei der die Fuge zwischen Rahmen und Glas dauerhaft elastisch bleiben muss
- Fenster auf der Wetterseite, die starkem Regen, Wind und UV-Strahlung ausgesetzt sind
- Anschlussfugen zwischen Fensterrahmen und Mauerwerk, wo Bewegungen durch Temperaturschwankungen auftreten
Wichtig ist ein Silikon speziell für den Fensterbereich: Sanitärsilikon enthält Fungizide gegen Schimmel und ist für den Sanitärbereich ausgelegt – ob es sich auch für außen eignet, steht im Datenblatt des Herstellers. Fenstersilikon oder Naturstein-Silikon (bei Steinfensterbänken) sind die passendere Wahl. Wer gleichzeitig über elektrische Rollläden nachdenkt, sollte die Abdichtung direkt mit einplanen.
Fensterkitt-Alternative: Hybridpolymere und Acryl
Neben Fensterkitt und Silikon gibt es noch weitere Dichtmaterialien, die du kennen solltest.
Hybridpolymere (MS-Polymer) vereinen die Vorteile beider Welten. Sie sind elastisch wie Silikon, lassen sich aber wie Fensterkitt überstreichen. Für viele Profis sind sie mittlerweile das Material der Wahl, besonders im Holzfensterbereich. Der Preis liegt etwas über dem von Silikon (8 bis 15 Euro pro Kartusche), der Mehrpreis lohnt sich aber in den meisten Fällen.
Acryl-Dichtstoff ist überstreichbar und günstig. Es gibt Produkte für innen und für außen – ob und für welche Fugen sich ein Acryl im Außenbereich eignet, steht im Datenblatt des Herstellers.
Worauf es bei der Ausführung ankommt
Ob Fensterkitt, Silikon oder Hybridpolymer: Die Haltbarkeit hängt weniger am Material als an der Ausführung. Folgende Punkte entscheiden, ob eine Abdichtung Jahre oder Jahrzehnte hält.
- Feuchtigkeit: Wird bei Regen oder auf nassem Holz gearbeitet, drohen schlechte Haftung und Schimmelbildung unter der Dichtmasse.
- Alter Belag: Neuer Kitt oder neues Silikon auf Resten des alten Materials hält nicht dauerhaft. Der Untergrund muss vollständig frei von altem Material sein – das Entfernen von älterem Kitt gehört wegen möglicher Asbestbelastung in die Hand eines Fachbetriebs.
- Passendes Silikon: Essigvernetzendes Silikon (riecht nach Essig) greift Metalle an und ist für Fenster mit Metallbeschlägen ungeeignet – hier gehört neutralvernetzendes Silikon hin.
- Fugenmaß: Breite und Tiefe der Fuge müssen zu den Vorgaben im Datenblatt des Dichtstoffs passen.
- Grundierung: Bei Holzrahmen saugt unbehandeltes Holz das Öl aus dem Kitt, sodass er zu schnell aushärtet und bröselt.
Ein Fensterbaubetrieb, Glaser oder Maler prüft diese Punkte routinemäßig mit und übernimmt die Gewährleistung auf das Ergebnis – gerade bei historischen Fenstern oder größeren Fensterfronten lohnt sich das.
Fazit
Fensterkitt oder Silikon? Die Antwort ist weniger eine Glaubensfrage als eine Materialfrage. Bei Altbaufenstern mit Holzrahmen, bei denen der historische Charakter erhalten bleiben soll oder muss, ist Fensterkitt nach wie vor das richtige Material. Für praktisch alle anderen Anwendungen, ob Kunststofffenster, Isolierverglasung oder Anschlussfugen am Mauerwerk, ist Silikon oder Hybridpolymer die bessere Wahl.
Entscheidend ist am Ende nicht nur das Material, sondern die saubere Ausführung: vollständig entfernter Altbelag, ein passend vorbehandelter Untergrund und sorgfältige Verarbeitung. Gerade bei möglicherweise asbesthaltigem Altkitt oder größeren Fensterflächen ist ein Fachbetrieb die sichere Wahl.
FAQ
Kann Silikon auf altem Fensterkitt aufgetragen werden?
Nein, das funktioniert nicht zuverlässig. Silikon haftet auf altem Kitt schlecht, weil dessen Oberfläche oft porös und fettig ist. Der alte Kitt muss vollständig entfernt und der Untergrund gereinigt sein, bevor frisches Silikon dauerhaft hält – bei historischem Altkitt übernimmt das am besten ein Fachbetrieb.
Wie lange muss Fensterkitt trocknen, bevor gestrichen werden kann?
Überstrichen wird nach der Hautbildung – das Datenblatt des LINOX-Glaserkitts nennt dafür „ca. 8-10 Tage“. Die oft genannten 4 Wochen sind dagegen keine Wartezeit, sondern laut Datenblatt die Frist, bis zu der der Schutzanstrich nach dem Verkitten spätestens drauf sein muss. Verwendet wird Leinölfarbe oder Alkydharzlack, Dispersionsfarbe (Wandfarbe) ist als wässriges System für Fensterkitt nicht geeignet.
Welches Silikon eignet sich am besten für Fenster?
Neutralvernetzendes Fenstersilikon für den Außenbereich. Es ist UV-beständig, greift keine Metalle an und bleibt dauerhaft elastisch.
Ist Fensterkitt gesundheitsschädlich?
Bei heutigem Fensterkitt auf Leinölbasis gelten die Hinweise auf Gebinde und Sicherheitsdatenblatt des Herstellers. Vorsicht ist bei altem Kitt geboten, der bis Anfang der 1990er-Jahre verarbeitet wurde – dieser kann Asbestfasern enthalten. Alter Kitt sollte deshalb nicht in Eigenregie entfernt werden, das übernimmt ein Fachbetrieb, der mit passender Schutzausrüstung arbeitet und die Reste fachgerecht entsorgt.
Gibt es eine Alternative, die überstreichbar und trotzdem elastisch bleibt?
Ja, Hybridpolymere (auch MS-Polymer genannt) bieten genau das. Sie sind dauerhaft elastisch und in der Regel überstreichbar – welche Farben und Untergründe passen, steht im Datenblatt des jeweiligen Produkts. Für Holzfenster, bei denen eine einheitlich gestrichene Oberfläche gewünscht ist, sind sie eine gute Wahl.
Quellen & Belege
- VBG – Asbest-Sanierung von Kitt im Glasfalz (Präventionspreis, Berufsgenossenschaft) – belegt: Asbestgehalt in altem Fensterkitt (ca. 1 %) nur per Probenanalyse nachweisbar, fachgerechte Sanierung nach TRGS 519
- Glaser-Innung Hamburg – Asbest im Fensterkitt – belegt: Bis etwa 1990 wurde Asbest in Fensterkitt verarbeitet, seit dem Verbot 1993 asbestfrei
- Karl Treske GmbH – Technisches Datenblatt „LINOX Glaserkitt Ia“ (Herstellerangabe) – belegt: Pflicht zum witterungsbeständigen Alkydharz-Anstrich ohne wässrige Systeme, Hautbildung ca. 8-10 Tage, Schutzanstrich spätestens 4 Wochen nach Verkittung (Technische Werte / Verarbeitungshinweise)
- Potthoff Dichtstoffe – Technisches Datenblatt „PTW Das Fenstersilikon“ (Herstellerangabe) – belegt: Temperaturbeständigkeit -60°C bis +180°C, neutralvernetzend für Fenster- und Glasabdichtung (Technische Werte)
- Penosil – Neutralvernetzende im Vergleich zu essigvernetzenden Silikonen (Hersteller) – belegt: Essigvernetzendes Silikon riecht nach Essigsäure und greift unbeschichtete Metalle durch Korrosion an
- Soudal – FAQ Sanitärsilikon gegen Schimmel (Hersteller) – belegt: Sanitärsilikon enthält Fungizide gegen Schimmelbildung
- BG BAU / DGUV Information 205-001 – Betrieblicher Brandschutz in der Praxis – belegt: Leinölgetränkte Lappen können sich durch Oxidation selbst entzünden, Aufbewahrung nur in nicht brennbaren, verschlossenen Behältnissen (Kap. 3.3 Brandursachen/Zündquellen)
- Wikipedia: Fensterkitt – Zusammensetzung (Leinöl/Kreide) und Anwendung (Basisinformation) – belegt: Materialzusammensetzung von Fensterkitt aus Leinöl und Kreide
- Wikipedia: Leinöl – Aushärtung durch Oxidation (Basisinformation) – belegt: Leinöl härtet durch Oxidation aus und dient als Bindemittel für Fensterkitt
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