Deckenplatten, Zierleisten oder Rosetten aus Styropor waren in den 70er und 80er Jahren der letzte Schrei. Heute sind sie oft vergilbt, eingestaubt oder wirken altbacken. Doch das Entfernen ist eine enorme Sauerei, da die Platten oft vollflächig verklebt sind und beim Abreißen den Putz beschädigen. Die einfachere Lösung: Ein neuer Anstrich. Was auf den ersten Blick simpel wirkt, birgt jedoch Tücken. Wer zur falschen Farbdose greift, sieht zu, wie sich die Decke in eine klebrige Masse auflöst. Mit der richtigen Vorbereitung und Materialwahl erstrahlt der Kunststoff jedoch in neuem Glanz.
Das Wichtigste in Kürze:
- Material: Niemals lösungsmittelhaltige Lacke verwenden (Verätzungsgefahr!). Nur wasserbasierte Dispersionsfarben oder Acryllacke nutzen.
- Vorbereitung: Styropor lädt sich statisch auf; Staub muss gründlich abgesaugt werden. Fett und Nikotin benötigen eine Grundierung (Sperrgrund).
- Werkzeug: Bei stark strukturierten Platten ist ein Farbsprühsystem ideal; ansonsten eine langflorige Lammfellrolle nutzen, um in die Vertiefungen zu kommen.
- Fugen: Risse und Fugen nur mit überstreichbarem Acryl schließen, niemals mit Silikon.
Die Chemie-Falle: Warum Styropor so empfindlich ist
Styropor (expandiertes Polystyrol, EPS) besteht zu 98 % aus Luft und einem feinen Kunststoffgerüst. Dieses Gerüst reagiert extrem empfindlich auf Lösungsmittel. Verdünnungen, Benzin oder klassische Kunstharzlacke greifen die Struktur sofort an. Die Platten bekommen Löcher, schrumpfen zusammen oder verflüssigen sich regelrecht. Die eiserne Regel: Verwenden Sie ausschließlich Produkte, die das Kennzeichen „lösungsmittelfrei“ oder „auf Wasserbasis“ (Blauer Engel) tragen.
Die richtige Farbe wählen
Sie brauchen meist keine teure Spezialfarbe.
- Klassische Dispersionsfarbe: Für Deckenplatten ist normale Wandfarbe (Dispersionsfarbe) völlig ausreichend. Sie deckt gut, ist matt und füllt kleine Poren auf.
- Acryllack (Wasserbasis): Für Zierleisten oder Rosetten, die vielleicht etwas glänzen sollen oder abwischbar sein müssen, eignet sich Buntlack auf Acrylbasis.
- Isolierfarbe: Haben Sie in der Wohnung geraucht oder gibt es alte Wasserflecken? Styropor nimmt Nikotin an. Streichen Sie mit normaler Farbe drüber, schlagen die gelben Flecken sofort wieder durch. Hier hilft nur eine spezielle Isolier- oder Absperrfarbe (auf Wasserbasis!).
Vorbereitung: Staub und Fugen
Styroporplatten sind Staubmagneten. Da die Oberfläche oft rau und porös ist, sitzt der Schmutz tief.
- Reinigung: Wischen Sie die Platten nicht zu nass ab, da Wasser in die Fugen hinter die Platten laufen und den Kleber lösen kann. Besser: Gründlich mit dem Bürstenaufsatz absaugen.
- Reparatur: Offene Fugen zwischen den Platten sehen nach dem Streichen schwarz und hässlich aus. Verschließen Sie diese vor dem Streichen mit Maler-Acryl. Ziehen Sie die Fuge mit einem nassen Finger glatt. Verwenden Sie kein Silikon, da Farbe darauf nicht haftet.
Technik: Sprühen oder Rollen?
Die meisten Styroporplatten haben Muster (Struktur, Holzoptik, Blumen). Das macht das Streichen zur Herausforderung.
Methode A: Die Rolle (Für glatte bis leicht strukturierte Flächen) Nutzen Sie keine Schaumstoffrolle (diese rutscht auf Styropor oft nur). Besser ist eine Lammfellrolle oder eine Polyamid-Walze mit etwas längerem Flor.
- Tipp: Drücken Sie nicht zu fest auf. Styropor ist weich. Wenn Sie zu viel Druck ausüben, drücken Sie Dellen hinein oder reißen die Platte von der Decke. Tragen Sie die Farbe satt auf und lassen Sie die Rolle gleiten.
Methode B: Der Pinsel (Für tiefe Strukturen) Bei sehr tiefen Reliefs kommen Sie mit der Rolle nicht in die Ritzen. Hier müssen Sie mit einem breiten, weichen Pinsel „stupfen“ (die Farbe in die Vertiefungen tupfen). Das ist mühsam und führt oft zu sichtbaren Pinselstrichen.
Methode C: Das Sprühsystem (Die Profi-Lösung) Haben Sie ein Airless-Gerät oder eine Farbsprühpistole? Das ist bei Styropor die beste Methode. Der feine Nebel legt sich in jede Pore und jedes Muster, ohne dass Sie die empfindliche Oberfläche berühren müssen. Allerdings müssen Sie den Raum (Boden und Möbel) hierfür extrem gut abkleben.
Schritt-für-Schritt zum neuen Decken-Look
- Abkleben: Schützen Sie Wände und Boden.
- Reinigen: Spinnweben und Staub entfernen.
- Grundieren (bei Bedarf): Bei stark vergilbtem Styropor erst eine Schicht Sperrgrund auftragen.
- Erster Anstrich: Beginnen Sie in den Ecken mit einem Pinsel. Rollen Sie dann die Fläche nass-in-nass.
- Trocknen: Lassen Sie die Farbe gut durchtrocknen (mindestens 4–6 Stunden). Styropor saugt nicht, die Trocknung dauert länger als auf Putz.
- Zweiter Anstrich: Meist ist eine zweite Schicht nötig, um ein wirklich deckendes, wolkenfreies Ergebnis zu erzielen.
Fazit
Alte Styroporplatten müssen nicht zwingend runter. Mit hochwertiger, lösungsmittelfreier Dispersionsfarbe und einer flauschigen Rolle lässt sich der „Mief“ der 80er Jahre schnell übertünchen. Wichtig ist nur der Check auf Nikotin: Wer hier an der Sperrgrundierung spart, streicht umsonst.
