
Kleine Grundrisse gehören im deutschen Wohnungsbau zum Alltag. Laut Statistischem Bundesamt lag die durchschnittliche Wohnfläche pro Person zum Jahresende 2022 bei 47,4 Quadratmetern. Wer saniert oder neu plant, steht daher regelmäßig vor der Frage, wie sich beengte Räume ohne bauliche Eingriffe großzügiger wirken lassen. Die Antwort liegt in der Kombination aus Lichtplanung, Materialwahl und gezielter Wandgestaltung.
Tageslicht als Planungsgröße
Die DIN 5034 beschäftigt sich mit der Belichtung von Innenräumen durch tageslicht und führt den Tageslichtquotienten D, als das Verhältnis von der Beleuchtungsstärke im Inneren zur der im Freien, ein.
Für Wohnräume nennt die Norm Mindestwerte an festgelegten Bezugspunkten. Für Arbeitsräume verlangt die Arbeitsstättenregel ASR A3.4 am Arbeitsplatz einen Tageslichtquotienten von mehr als 2 Prozent. Die Werte hängen ganz entscheidend von der Fenstergröße, Verglasungsart und Raumtiefe ab. Die Ausgabe von 2021 der DIN 5034-1 wurde an die europäische Norm DIN EN 17037 „Tageslicht in Gebäuden“ angepasst.
Von Bedeutung ist auch der Reflexionsgrad der Raumumschließungsflächen.
Die DIN EN 12464-1 „Beleuchtung von Arbeitsstätten“ geht laut Fachzeitschrift Elektropraktiker für Arbeitsräume von üblichen Reflexionsgraden von 70 bis 90 Prozent für Decken, 50 bis 80 Prozent für Wände und 20 bis 60 Prozent für Böden aus – Werte, die sich als grobe Orientierung auch auf Wohnräume übertragen lassen, obwohl die Norm dafür nicht unmittelbar gilt. Bei der Verwendung weißer Wandfarben kann ein Wert von etwa 85 Prozent erreicht werden, dunkle Anstrichfarben liegen oft unter 20 Prozent. Dass hierdurch ein und derselbe Raum je nach Farbigkeit ganz verschieden wirken kann, liegt auf der Hand.
Näheres zu den genannten Normen ist aus den Veröffentlichungen von DIN Media (früher Beuth Verlag) und der Deutschen Lichttechnischen Gesellschaft zu entnehmen.
Reflektierende Flächen gezielt einsetzen
Über die reine Farbwahl hinaus lassen sich Räume durch spiegelnde Elemente optisch strecken. Ein an der Wand gegenüber dem Fenster platziertes Reflexionselement kann den einfallenden Tageslichtanteil in tiefer liegende Raumzonen lenken. Großflächige Wandspiegel können einen Raum heller wirken lassen, ohne dass zusätzliche Leuchten installiert werden müssen.
Wichtig ist die Positionierung. Ein Spiegel gegenüber einer strukturierten Wand oder einem Fenster verlängert Sichtachsen und verdoppelt visuelle Bezugspunkte. Direkt hinter Sitzmöbeln oder in schmalen Fluren angebracht, wirkt die gleiche Fläche dagegen oft unruhig. Die Höhe richtet sich danach, wer den Spiegel nutzt: Hängt er so, dass seine Mitte etwa auf Augenhöhe liegt, haben stehende und sitzende Personen etwas davon.
Bei der Materialwahl ist Sicherheitsglas nach DIN EN 12150 (thermisch vorgespanntes Einscheibensicherheitsglas) empfehlenswert, besonders in Fluren, Kinderzimmern oder Bereichen mit Sturzrisiko. Rückseitige Schutzfolien sollen im Bruchfall die Scherben zusammenhalten.
Farb- und Materialkonzept aufeinander abstimmen
Neben Reflexionsflächen entscheidet die Gesamtkomposition. Helle Böden, matte Wandfarben mit Reflexionsgrad über 60 Prozent und Möbeloberflächen mit geringem Kontrast zur Wand vergrößern den Raum optisch. Aus der Wahrnehmungsforschung ist bekannt, dass die wahrgenommene Raumgröße stark von Helligkeitsverteilung und Blickachsen abhängt, nicht allein von der tatsächlichen Grundfläche.
Bei der Deckenhöhe bietet sich ein leicht helleres Weiß als an den Wänden an, um den Raum nach oben zu öffnen. Vorhänge in Wandfarbe kaschieren Fensterlaibungen und lassen die Wand größer erscheinen. Möbel mit sichtbaren Beinen erzeugen Bodenfluchten, die den Blick durch den Raum ziehen.
Handlungsschritte für die Umsetzung
Wer eine Sanierung plant, sollte zunächst den Bestand messtechnisch erfassen. Ein Luxmeter kostet unter 50 Euro und liefert reale Beleuchtungsstärken an unterschiedlichen Punkten. Auf dieser Basis lassen sich Farb- und Materialentscheidungen fundiert treffen. Fachbetriebe der Innenausbau- und Malerinnung bieten zudem digitale Lichtsimulationen an, mit denen sich Reflexionsgrade und Beleuchtungsstärken vor der Umsetzung durchrechnen lassen. Für einfache Vorhaben genügt ein strukturierter Grundriss mit eingezeichneten Sichtachsen und geplanten Reflexionsflächen.
