- Nachtstromspeicheröfen heizen mit günstigem Nachtstrom – ein Konzept, das seit Jahrzehnten überholt ist
- Seit dem Ende der Niedertarif-Strompreise sind die Betriebskosten von Nachtstromspeichern deutlich gestiegen
- Eine Umrüstung auf Erdgas ist technisch möglich, aber nicht in jedem Fall wirtschaftlich sinnvoll
- Alternativen wie Wärmepumpe oder Pelletheizung können je nach Situation besser passen
- BAFA und KfW fördern den Heizungstausch mit bis zu 70 % der Kosten
- Für den Wechsel brauchst du immer einen zugelassenen Fachbetrieb
Was ist ein Nachtstromspeicherofen und warum wird er zum Problem?
Nachtstromspeicheröfen waren eine clevere Erfindung der 1950er bis 1980er Jahre. Das Konzept dahinter war einfach: Nachts, wenn das Stromnetz wenig belastet war, haben die Kraftwerke günstigeren Strom zur Verfügung gestellt – den sogenannten Nachtstrom. Dieser Strom wurde in speziellen Elektrospeicheröfen in Form von Wärme gespeichert, die dann tagsüber abgegeben wurde.
Damals funktionierte das System gut. Der Tarif-Unterschied zwischen Nacht- und Tagstrom war erheblich, und die Nutzer konnten damit tatsächlich Geld sparen. Millionen von Haushalten in Deutschland wurden mit diesem System ausgestattet.
Das Problem ist heute ein anderes. Die günstigen Nachtstromtarife, die früher Elektrizitätswerke angeboten haben, gibt es in dieser Form kaum noch. Die meisten Energieversorger haben die differenzierten Tarife abgeschafft oder massiv angehoben. Wer heute noch einen alten Nachtstromspeicherofen betreibt, zahlt unter Umständen genauso viel wie für normalen Tagstrom – oder sogar mehr.
Dazu kommt die Energiepolitik. Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) 2024 schreibt vor, dass neue Heizungen mindestens 65 % erneuerbare Energien nutzen müssen. Reine Elektrospeicheröfen, die mit konventionellem Netzstrom betrieben werden, erfüllen diese Anforderung nicht. Das bedeutet: Wer renoviert oder seinen Altbau modernisiert, muss früher oder später handeln.
Wie funktioniert die Umrüstung auf Erdgas?
Der Wechsel von einem Nachtstromspeicherofen auf eine Erdgasheizung ist kein simpler Tausch. Hier kommen mehrere Faktoren zusammen, die du vorab prüfen musst.
Schritt 1: Gasanschluss prüfen
Das Wichtigste zuerst: Gibt es überhaupt einen Gasanschluss in deinem Gebäude? Viele Häuser, die ursprünglich mit Nachtstrom beheizt wurden, haben nie einen Gasanschluss bekommen – das war ja der Vorteil des Systems, kein zusätzlicher Rohranschluss nötig.
Falls kein Gasanschluss vorhanden ist, musst du zunächst den örtlichen Netzbetreiber kontaktieren. Der Hausanschluss an das Gasnetz kostet je nach Entfernung und Aufwand zwischen 1.500 und 5.000 Euro. Manchmal ist die Leitung gar nicht in der Nähe – dann kann der Aufwand noch deutlich höher werden.
Falls bereits Gas im Haus vorhanden ist (etwa für Kochen oder Warmwasser), wird der Anschluss einer Gasheizung wesentlich einfacher und günstiger.
Schritt 2: Rohrsystem und Heizkörper prüfen
Bei einem zentralen Heizsystem mit Heizkörpern musst du prüfen, ob die vorhandenen Rohre und Heizkörper für eine Gasheizung geeignet sind. Alte Rohre aus den 1950er bis 1970er Jahren sind manchmal aus Stahl und korrosionsanfällig. In vielen Fällen empfiehlt sich ein Teilaustausch der Rohrleitungen.
Wenn du alte Heizkörper hast, lohnt sich ein Blick auf deren Auslegung. Neue Heizkörper an alte Rohre anzuschließen ist möglich, aber nur wenn die Dimensionierung stimmt. Neue Erdgasheizungen arbeiten oft mit niedrigeren Vorlauftemperaturen, was manchmal eine Anpassung der Heizkörpergröße erfordert.
Bei dezentralen Nachtstromspeicheröfen in einzelnen Räumen ist die Situation anders: Hier gibt es oft gar kein zentrales Rohrsystem. Der Aufbau eines solchen Systems von Grund auf kann teuer werden.
Schritt 3: Heizungsgröße berechnen
Eine neue Gasheizung muss auf den tatsächlichen Wärmebedarf des Gebäudes ausgelegt sein. Zu groß bedeutet häufiges Takten, das den Brenner verschleißt. Zu klein reicht für kalte Winter nicht aus.
Ein Fachbetrieb erstellt dafür eine Heizlastberechnung nach DIN 12831. Das ist kein optionales Extra, sondern Voraussetzung für eine korrekt dimensionierte Anlage. Wer hier spart, ärgert sich später.
Schritt 4: Genehmigungen und Fachbetrieb
Arbeiten an Gasinstallationen darf ausschließlich ein beim Netzbetreiber eingetragenes Fachunternehmen durchführen. Das ist keine bürokratische Hürde – es geht um Sicherheit. Fehler an Gasanlagen können lebensbedrohlich sein.
Außerdem muss die Anlage nach der Installation beim Schornsteinfeger zur Abnahme angemeldet werden. Der Schornsteinfeger prüft die Verbrennungsluftversorgung, den Abgasweg und die Betriebssicherheit.
Kosten der Umrüstung auf Erdgas
Was kostet der Wechsel konkret? Die Zahlen variieren je nach Ausgangssituation deutlich, aber hier eine realistische Übersicht:
- Gasheizung (Brennwertkessel): 3.000 bis 8.000 Euro für das Gerät, je nach Leistung und Hersteller
- Installation und Rohrleitungsarbeiten: 2.000 bis 6.000 Euro
- Neuer Gasanschluss (falls nötig): 1.500 bis 5.000 Euro
- Gesamtkosten ohne Förderung: 6.500 bis 19.000 Euro
Klingt viel – und das ist es auch. Deshalb ist die Förderlandschaft so wichtig.
Förderung: Was BAFA und KfW zahlen
Die gute Nachricht ist, dass der Staat den Heizungstausch erheblich fördert. Allerdings hat die Förderpolitik nach dem GEG 2024 eine interessante Wendung genommen: Reine Erdgasheizungen werden weniger stark gefördert als klimafreundlichere Alternativen.
Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) über BAFA:
- Basisförderung für alle förderfähigen Heizungen: 30 % der Kosten
- Klimabonus (bei Austausch einer alten Öl- oder Gasheizung): zusätzlich 20 %
- Einkommensbonus (Haushalt unter 40.000 Euro Jahreseinkommen): zusätzlich 30 %
- Maximal förderfähige Kosten: 30.000 Euro für ein Einfamilienhaus
Wichtig: Seit 2024 werden Gasheizungen nur noch gefördert, wenn sie als „Übergangsheizung“ für einen begrenzten Zeitraum gelten oder wenn sie Wasserstoff-ready sind. Die genauen Bedingungen ändern sich – prüfe aktuelle Informationen direkt beim BAFA oder bei deinem Energieberater.
KfW-Kredit (Programm 261):
Die KfW bietet ergänzend zinsgünstige Kredite für energetische Sanierungen an. Diese Kredite lassen sich mit der BAFA-Förderung kombinieren, sofern die jeweiligen Förderregeln das erlauben.
Für die Antragstellung gilt: Du musst die Förderung vor Auftragsvergabe beantragen. Wer erst unterschreibt und dann Förderung beantragt, geht leer aus.
Alternativen zur Erdgasheizung

Ganz ehrlich: Eine Erdgasheizung ist nicht für jeden die beste Wahl. Je nach Gebäude, Standort und persönlicher Situation können andere Technologien sinnvoller sein.
Wärmepumpe
Die Luft-Wasser-Wärmepumpe ist derzeit die meistgeförderte Alternative. Sie zieht Umgebungswärme aus der Luft und erzeugt damit drei- bis viermal so viel Heizenergie wie sie Strom verbraucht. Ideal für gut gedämmte Häuser mit niedrigen Vorlauftemperaturen. Weniger geeignet für schlecht gedämmte Altbauten ohne Flächenheizung.
Kosten: 15.000 bis 25.000 Euro, aber Förderung von bis zu 70 % möglich.
Pelletheizung
Pellets sind nachwachsende Rohstoffe und gelten als CO2-neutral. Eine Pelletheizung braucht einen Lagerraum für die Pellets, ähnlich wie früher Kohlen- oder Ölkeller. Die Betriebskosten sind in der Regel geringer als bei Gas, aber die Anlage ist wartungsintensiver.
Kosten: 15.000 bis 30.000 Euro inkl. Lager, Förderung ebenfalls über BEG möglich.
Infrarotheizung
Infrarotheizungen sind technisch einfach und wartungsarm. Als Ersatz für einzelne Nachtstromspeicheröfen in einzelnen Räumen können sie sinnvoll sein. Für die vollständige Beheizung eines Hauses sind sie wegen der hohen Stromkosten wirtschaftlich meist nicht sinnvoll – es sei denn, du hast eine eigene Photovoltaikanlage.
Hybridheizung
Manche Hausbesitzer kombinieren eine Wärmepumpe mit einer Gasheizung als Backup für besonders kalte Tage. Diese Hybridlösung kann ein guter Kompromiss sein, wenn die Dämmung des Hauses noch nicht optimal ist.
Wann lohnt sich die Umrüstung auf Erdgas nicht?
Trotz der Fördermöglichkeiten gibt es Situationen, in denen die Umrüstung auf Erdgas keine gute Idee ist.
Kein Gasanschluss in der Nähe: Wenn das nächste Gasnetz weit entfernt ist und die Verlegung eines Anschlusses unverhältnismäßig teuer wird, rechnet sich Gas nicht.
Kurzfristige Nutzung: Wenn du das Haus in wenigen Jahren verkaufen oder grundlegend sanieren willst, macht eine teure Heizungsumrüstung keinen Sinn.
Das Haus wird sowieso saniert: Wenn eine umfangreiche Gebäudesanierung geplant ist, sinkt der Wärmebedarf deutlich. Dann solltest du erst sanieren und danach eine passend dimensionierte, klimafreundliche Heizung einbauen – und nicht umgekehrt.
Schlechte Förderbedingungen für Gas: Falls die Bundesregierung die Gasförderung weiter einschränkt, solltest du vorab genau prüfen, welche Anlage gefördert wird und welche nicht.
Praxistipps vor dem Heizungstausch
Bevor du eine Entscheidung triffst, empfehlen sich folgende Schritte:
Lass eine Energieberatung durchführen. Geförderte Energieberater (über BAFA) kosten dich wenig, helfen aber beim Vergleich der Varianten und bei der Antragstellung.
Hol mindestens drei Angebote von zugelassenen Fachbetrieben ein. Die Preisunterschiede können erheblich sein.
Prüfe den Zustand der Hülle zuerst. Eine schlecht gedämmte Außenwand oder ein undichtes Dach verschwendet mehr Energie als eine alte Heizung. Manchmal ist Dämmung die bessere Investition.
Informiere dich über den aktuellen Stand der Gasversorgung in deiner Region. Manche Netzbetreiber signalisieren bereits, dass Gasnetze langfristig zurückgebaut werden könnten.
Und noch etwas Wichtiges: Finger weg von Eigenversuchen. Gasinstallationen sind Facharbeit. Wer daran selbst herumschraubt, riskiert nicht nur die eigene Sicherheit, sondern auch den Versicherungsschutz.
Fazit: Erdgas kann eine Übergangslösung sein
Der Abschied vom Nachtstromspeicherofen ist in vielen Fällen sinnvoll und nötig. Ob Erdgas die richtige Wahl ist, hängt aber stark von deiner konkreten Situation ab.
Falls bereits ein Gasanschluss vorhanden ist, das Haus gut gedämmt ist und du eine kostengünstige Übergangslösung für die nächsten 10 bis 15 Jahre suchst, kann eine moderne Gasbrennwertheizung sinnvoll sein. Sie ist deutlich effizienter als alte Konstanttemperaturkessel und lässt sich unter bestimmten Bedingungen noch fördern.
Langfristig führt kein Weg an erneuerbaren Energien vorbei. Wärmepumpe und Pelletheizung bieten heute schon Alternativen, die auch in 20 Jahren noch förderfähig und zukunftssicher sein werden. Lass dich von einem unabhängigen Energieberater unterstützen und triff keine Entscheidung unter Zeitdruck.
Eines ist sicher: Weiter mit dem alten Nachtstromspeicher zu heizen und steigende Stromrechnungen zu zahlen, ist die teuerste aller Optionen.
FAQ
Kann ich meinen Nachtstromspeicherofen einfach gegen eine Gasheizung tauschen?
Nicht ohne Weiteres. Du brauchst einen Gasanschluss, eine Rohrinstallation (oder die Nutzung bestehender Rohre) und zwingend einen zugelassenen Fachbetrieb. Die Installation muss vom Schornsteinfeger abgenommen werden. Ein einfacher 1:1-Tausch wie bei einem Herd ist das nicht.
Welche Förderung gibt es für den Nachtstromspeicher-Austausch?
Über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) des BAFA sind bis zu 70 % der Kosten förderbar – allerdings vor allem für klimafreundliche Heizungen wie Wärmepumpen oder Pelletkessel. Reine Gasheizungen werden seit 2024 restriktiver gefördert. Den Antrag musst du vor Auftragsvergabe stellen.
Muss ich den Nachtstromspeicher zwingend austauschen?
Rechtlich gibt es keine unmittelbare Pflicht, funktionierende Altanlagen sofort zu ersetzen. Das GEG 2024 betrifft primär neue Heizungen bei Einbau oder bei einem Defekt der alten Anlage. Aber wer heute noch günstigen Nachtstromtarif bezahlt, sollte prüfen, ob das Modell noch aktiv angeboten wird.
Wie lange dauert der Einbau einer neuen Gasheizung?
Der reine Einbau eines Gaskessels dauert meist ein bis zwei Tage. Wenn Rohrleitungsarbeiten nötig sind oder ein neuer Gasanschluss gelegt werden muss, kann sich das auf zwei bis vier Wochen ausdehnen. Plane genug Puffer vor der Heizperiode ein.
Lohnt sich eine Wärmepumpe als Alternative?
Das hängt vom Gebäude ab. Wärmepumpen arbeiten am effizientesten bei niedrigen Vorlauftemperaturen (35 bis 45°C), also in Kombination mit Fußbodenheizung oder großflächigen Heizkörpern. Bei schlecht gedämmten Altbauten mit alten Heizkörpern kann der Einbau einer Wärmepumpe hohen Aufwand bedeuten. Lass das vorab von einem Energieberater prüfen.
