- „Akazie“ ist im Handel ein Sammelbegriff für zwei völlig verschiedene Hölzer – davon hängt ab, ob du überhaupt streichen musst.
- Akazienholz ist sehr hart und gerbstoffreich – braucht spezielle Vorbereitung.
- Empfehlenswert: Anschleifen und Sperrgrund gegen Inhaltsstoffdurchschlag, vor allem unter hellen deckenden Anstrichen.
- Empfehlenswert: Lasuren für die Holzoptik, deckende Lacke nur mit Sperrgrund.
- Für den Außenbereich: wetterfeste Holzlasur mit UV-Schutz, die der Hersteller für Gartenmöbel freigibt.
- Innen: Wasserbasierte Holzlasur oder Hartwachsöl für natürliche Optik.
Akazienholz ist beliebt für Möbel, Terrassendielen und Gartenmöbel – es ist extrem haltbar, hart und schön. Doch wer es streichen will, stößt auf einige Tücken: Das Holz enthält Inhaltsstoffe, die durch normale Anstriche durchschlagen und gelbliche oder bräunliche Flecken bilden können. Hier zeige ich dir, wie du Akazienholz richtig anstreichst – ohne Fleckenbildung.
Was macht Akazienholz besonders?
Bevor du loslegst, klär eine Sache – sonst streichst du am Ende das falsche Holz. „Akazie“ ist im Handel ein Sammelbegriff für zwei völlig verschiedene Hölzer:
- Tropische Akazie (zum Beispiel Acacia mangium) aus Asien. Daraus bestehen viele als „Akazie“ verkaufte Gartenmöbel und Terrassendielen.
- Robinie (Robinia pseudoacacia), die in Europa gewachsene „Falsche Akazie“. Botanisch gar keine Akazie, sondern ein Schmetterlingsblütler. Hell, kräftig gemasert, mit schmalem hellem Splint und goldgelbbraunem Kern.
Der Unterschied ist kein Detail für Botaniker, sondern entscheidet über deine Arbeit. Das Kernholz der Robinie wird nach DIN EN 350 in die Dauerhaftigkeitsklassen 1 bis 2 eingestuft – laut der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft ist es damit das dauerhafteste Holz aus europäischem Anbau, noch vor Eiche und Edelkastanie. Draußen braucht es keinen Anstrich, um zu überleben. Auf tropische Akazie lässt sich das nicht einfach übertragen.
Zwei Einschränkungen bei der Robinie solltest du kennen: Die hohe Dauerhaftigkeit gilt fürs adulte Kernholz. Das juvenile Holz – etwa die ersten 7 bis 15 Jahrringe um die Markröhre – ist deutlich weniger dauerhaft, und der helle Splint ist es gar nicht. Gerade bei Möbeln mit kleinen Querschnitten ist das relevant.
Was beide Hölzer gemeinsam haben:
- Sehr hart, schwer zu bearbeiten
- Reich an Gerbstoffen und Phenolen
- Kein Harz – als Laubhölzer bilden Akazie und Robinie keine Harzkanäle aus, wie sie typischerweise bei Nadelhölzern wie Fichte oder Kiefer vorkommen
Sicher weißt du erst, was du vor dir hast, wenn die botanische Bezeichnung dabeisteht oder ausdrücklich „Robinie“ draufsteht.
Die Gerbstoffe sind das Hauptproblem beim Streichen. Sie können bei Wasserkontakt aus dem Holz austreten und gelblich-braune Flecken im Anstrich erzeugen.
Schritt 1: Vorbereitung
Anschleifen
Mit Schleifpapier 120 oder 150 Körnung das Holz anschleifen. Bei besonders glatten oder versiegelten Stücken auf 80er Körnung gehen, um die Versiegelung zu durchbrechen.
Wichtig: Immer in Richtung der Maserung schleifen, sonst entstehen sichtbare Kratzer.
Reinigen
Schleifstaub komplett entfernen. Bei Außenmöbeln eventuell vorher mit Wasser und mildem Reiniger waschen, dann gut trocknen lassen (mehrere Tage).
Entfetten
Mit Spiritus oder Reinigungsalkohol über die Oberfläche wischen. Das entfernt Hautfett und Pflegemittel-Reste.
Schritt 2: Sperrgrund
Das ist der wichtigste Schritt, wenn du Akazienholz deckend streichen willst: Ein Sperrgrund (auch Isoliergrund genannt) verhindert, dass Inhaltsstoffe durch den späteren Anstrich austreten. Bei Lasuren und Ölen kannst du ihn dagegen meist weglassen.
Empfehlenswert sind:
- Lösungsmittelbasierte Sperrgründe
- Schellack-basierte Isolierprimer
- Isoliergrundierungen für gerbstoffreiche Hölzer (wie sie auch für Eiche angeboten werden). Eine „Tropenholz-Grundierung“ ist bei Robinie die falsche Kategorie – die zielt auf ölige Hölzer wie Teak, und Robinie stammt aus europäischem Anbau, überwiegend aus Ungarn und Rumänien.
Sperrgrund so auftragen und trocknen lassen, wie es im technischen Merkblatt des Herstellers steht – Zahl der Arbeitsgänge und Trockenzeit unterscheiden sich von Produkt zu Produkt.
Schritt 3: Lasur oder Lack
Lasur (für natürliche Optik)
Mit einer Lasur bleibt die Holzmaserung sichtbar. Sie ist transparent oder leicht getönt und betont die Struktur des Akazienholzes.
- Außen: wetterfeste Holzlasur mit UV-Schutz – ob ein Produkt mit Filmschutz für dein Möbel vorgesehen ist, steht auf dem Etikett
- Innen: Wachs-Lasur oder wasserbasierte Möbellasur
Deckender Lack
Wenn du das Holz komplett überdecken willst, brauchst du nach dem Sperrgrund noch einen guten Lack:
- Kunstharzlack: bewährt und robust
- 2K-PU-Lack: höchste Belastung
- Wasserbasierter Acryllack: niedrige Belastung, geruchsarm
Häufige Fehler
Sperrgrund unter deckendem Anstrich weggelassen: Dann können Inhaltsstoffe nach Tagen oder Wochen durchschlagen und Flecken bilden.
Falsche Lasur: Eine reine Innenlasur ohne UV- und Wetterschutz hält draußen nur kurz.
Schleifen quer zur Maserung: Verursacht sichtbare Kratzer im fertigen Anstrich.
Zu wenig Trockenzeit: Zwischen den Schichten die Trockenzeit laut Herstellerangabe einhalten, bei feuchtem oder kühlem Wetter länger.
Pflege nach dem Streichen
Im Außenbereich sollte der Anstrich alle 2 bis 4 Jahre erneuert werden, vor allem bei direkter Sonneneinstrahlung. Innen halten gute Lacke 10 bis 20 Jahre.
Fazit
Akazienholz lässt sich gut streichen. Unter hellen, deckenden Anstrichen solltest du einen Sperrgrund einplanen, sonst können die Gerbstoffe durchschlagen – bei Lasuren und Ölen ist er meist verzichtbar. Und die wichtigste Frage vorher: Hast du wirklich Robinie? Dann überleg dir zweimal, ob du sie überhaupt streichen willst – draußen hält sie auch ohne Anstrich. Wer den Aufwand nicht scheut, bekommt einen schönen, langlebigen Anstrich – mit oder ohne sichtbarer Maserung. Für Außenmöbel eignet sich eine wetterfeste Lasur mit UV-Schutz, für Innenmöbel reichen Lasuren oder klassische Acryllacke.
FAQ
Muss ich Akazienholz überhaupt streichen?
Das hängt vom Holz ab: Kernholz der Robinie ist auch unbehandelt sehr dauerhaft. Für tropische Akazie gilt das nicht in gleichem Maß – hier schützt ein Anstrich oder Öl das Holz.
Welche Lasur ist die beste für Außenmöbel?
Eine „beste“ Lasur gibt es nicht. Üblich sind wetterfeste Holzlasuren mit UV-Schutz, z.B. von Bondex oder Remmers. Produkte mit Bläue- oder Pilzschutz sind Biozidprodukte – Etikett und Produktinformation vorher lesen und prüfen, ob sie für Möbel vorgesehen sind.
Kann ich auch ölen statt streichen?
Ja, Akazienholz lässt sich gut ölen. Hartwachsöl oder spezielles Möbelöl betonen die Maserung sehr schön.
Was kostet das Material?
Sperrgrund 20 bis 40 Euro, Lasur oder Lack 30 bis 80 Euro je Liter. Für einen Gartentisch reichen meist 0,5 bis 1 Liter.
Hält der Anstrich auch im Winter im Freien?
Ja, wenn du einen passenden Außenlack verwendest. Bei Frost und Schnee musst du nicht abdecken, aber Verschmutzung sollte regelmäßig entfernt werden.
Quellen & Belege
- LWF Wissen 84 – Das Holz der Robinie (Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, Risse/Richter) – belegt: DIN-EN-350-Dauerhaftigkeitsklasse 1-2 des Robinien-Kernholzes, Rang vor Eiche/Edelkastanie, juveniles Holz (7-15 Jahrringe), Herkunft Ungarn/Rumänien, Splint-/Kernholzfarbe (S. 57-64)
- Wikipedia – Robinie (Robinia pseudoacacia) – belegt: Botanische Einordnung: kein Akazien-Verwandter, sondern Schmetterlingsblütler (Faboideae) in der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae) (Abschnitt Taxonomie)
- Remmers – Technisches Merkblatt Holzschutz-Grund (Art.-Nr. 2066) – belegt: Merkblatt einer lösemittelbasierten Holzschutzimprägnierung (Biozidprodukt) gegen Bläue, Fäulnis und Insekten – kein Isoliergrund; Sperr- und Isoliergründe sind eigene Produkte mit eigenem Merkblatt
Zuletzt geprüft: 09/2026. Preis-, Kosten-, Zeit- und Maßangaben ohne eigene Quelle sind redaktionelle Richtwerte aus der Praxis (Stand 09/2026). Alle Angaben ohne Gewähr.

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