- Gundermann (Glechoma hederacea) ist ein hartnäckiges Kriechunkraut, das sich im Rasen durch Ausläufer rasant ausbreitet
- Mechanisches Ausreißen funktioniert, erfordert aber Geduld und muss mehrfach wiederholt werden
- Chemische Mittel (Herbizide mit MCPA) wirken gezielt, sollten aber als letztes Mittel eingesetzt werden
- Ein dichter, gesunder Rasen ist die beste Vorbeugung gegen Gundermann-Befall
- Richtige Rasenpflege (Düngen, Lüften, Nachsäen) hält den Gundermann dauerhaft in Schach
Du mähst deinen Rasen, denkst alles läuft super, und dann fällt dir dieses kriechende, dunkelgrüne Gestrüpp auf, das sich zwischen den Grashalmen ausbreitet. Gundermann, auch Gundelrebe genannt, gehört zu den hartnäckigsten Unkräutern im Garten. Er breitet sich über Ausläufer aus, wurzelt an jedem Knoten neu und macht vor Rasenmäher und Hacke keinen Halt. Die gute Nachricht ist, dass du ihn loswerden kannst, wenn du die richtigen Methoden kennst und dranbleibst.
In diesem Ratgeber erfährst du, was Gundermann überhaupt ist, warum er so ein zähes Problem ist und welche Methoden wirklich helfen, sowohl mechanisch als auch chemisch und biologisch. Außerdem zeige ich dir, wie du mit einer guten Rasenpflege den Gundermann langfristig draußen hältst.
Was ist Gundermann und warum ist er so hartnäckig?
Gundermann (Glechoma hederacea) ist eine ausdauernde Pflanze aus der Familie der Lippenblütler. Er wird auch Gundelrebe, Erdefeu oder Erd-Efeu genannt. Charakteristisch sind die nierenförmigen, gekerbten Blätter und die kleinen violetten Blüten, die von März bis Juni erscheinen. Wenn du die Blätter zerreibst, riecht es leicht minzig, fast aromatisch.
Das eigentliche Problem liegt in seiner Wuchsstrategie. Gundermann bildet kriechende Ausläufer, sogenannte Stolonen, die sich bis zu einem Meter weit über den Boden ziehen. An jedem Blattknoten kann die Pflanze neu einwurzeln, selbst wenn du nur ein kleines Stück im Boden lässt. Ein einziger übersehener Ableger kann sich innerhalb einer Saison auf einem Quadratmeter ausbreiten.
Gundermann liebt feuchte, halbschattige bis schattige Standorte mit verdichteten, nährstoffreichen Böden. Wenn dein Rasen unter einem Baum oder in einem schattigen Gartenbereich wächst und der Boden etwas nass ist, hast du ideale Bedingungen für Gundermann geschaffen. Schwache, lückige Rasenflächen werden von ihm besonders schnell besiedelt, weil er die freien Stellen nutzt, um sich auszudehnen.
Gundermann im Rasen erkennen
Bevor du mit der Bekämpfung anfängst, musst du dir sicher sein, womit du es wirklich zu tun hast. Gundermann sieht manchmal dem normalen Klee ähnlich, ist aber leicht zu unterscheiden.
Erkennungsmerkmale auf einen Blick:
- Nierenförmige oder herzförmige Blätter mit gekerbtem Rand
- Blätter stehen gegenständig an vierkantigem Stängel
- Aromatischer, leicht minziger Geruch beim Zerreiben
- Kriechende Ausläufer, die sich flach über den Boden ziehen
- Violette Lippenblüten im Frühjahr (März bis Juni)
- Bevorzugt feuchte, schattigere Stellen im Rasen
Wenn du all das erkennst, hast du mit ziemlicher Sicherheit Gundermann vor dir. Dann geht es darum, ihn systematisch zu bekämpfen, und das am besten bevor er sich weiter ausbreitet.

Gundermann bekämpfen: Die wichtigsten Methoden
Es gibt drei grundlegende Ansätze, und in vielen Fällen kombinierst du sie für den besten Erfolg.
Mechanische Bekämpfung: Ausreißen und Vertikutieren
Das manuelle Entfernen ist die nachhaltigste Methode, erfordert aber Ausdauer. Am besten gehst du bei feuchtem Boden vor, weil die Ausläufer dann viel leichter mit der gesamten Wurzel herauskommen.
So gehst du vor:
- Greife mit der Hand oder einer Wurzeljätgabel unter die Ausläufer und verfolge sie so weit wie möglich zum Ursprung
- Ziehe langsam und gleichmäßig, damit die Wurzeln nicht abreißen
- Entferne alle Reste aus dem Rasen, denn liegengebliebene Stücke können wieder anwurzeln
- Wiederhole das alle zwei bis drei Wochen, weil neu gekeimt Samen und verbliebene Wurzelreste nachwachsen
Der Vertikutierer ist ein gutes Ergänzungswerkzeug, besonders wenn Gundermann großflächig aufgetreten ist. Mit den Messerklingen zerschneidet er die Ausläufer und lockert gleichzeitig den Boden. Der Haken dabei ist, dass zerschnittene Ausläufer im Rasen verbleiben und wieder anwurzeln können, wenn du den Rasenschnitt nicht gründlich einsammelst. Nach dem Vertikutieren also immer gut absaugen oder harken.
Kosten für einen guten Vertikutierer: 80 bis 250 Euro für ein handelsübliches Elektrogerät, besser geeignet für Flächen ab ca. 30 Quadratmeter.
Chemische Bekämpfung: Herbizide gezielt einsetzen
Wenn der Gundermann stark verbreitet ist und mechanisches Ausreißen zu aufwendig wird, kann ein selektives Rasenherbizid helfen. „Selektiv“ bedeutet, dass das Mittel das Unkraut abtötet, ohne das Gras zu schädigen.
Wirkstoffe, die gegen Gundermann helfen:
- MCPA (z.B. in Rasen-Unkrautfrei-Produkten) wirkt gut gegen Gundermann und ist rasenverträglich
- Fluroxypyr + MCPP als Kombination hat sich bei breitblättrigem Unkraut bewährt
- Produkte wie „Substral Herbistop Rasen Unkrautfrei“ oder „Compo Floranid Rasen Unkrautfrei“ sind im Handel erhältlich
Wichtige Punkte beim Einsatz:
- Nur bei trockenem, warmem Wetter (ab 15°C) spritzen, mindestens zwei Stunden vor Regen
- Gundermann muss sich im aktiven Wachstum befinden, also Frühjahr oder Frühsommer
- Direkt auf die Blätter sprühen, nicht flächig über den Rasen
- Wartezeit beachten, bevor der Rasen wieder betreten wird (steht auf dem Etikett)
- Haustiere und Kinder während der Behandlung und Trocknungszeit fernhalten
Kosten: ca. 10 bis 20 Euro für eine 500-ml-Flasche, die für etwa 50 bis 100 Quadratmeter reicht. Herbizide solltest du als letztes Mittel betrachten, besonders wenn Kinder oder Haustiere regelmäßig auf dem Rasen spielen.
Biologische und mechanische Alternativen
Wer keine Herbizide einsetzen will, hat einige natürliche Möglichkeiten, auch wenn sie langsamer wirken.
Essig: Unverdünnter Haushaltsessig (5-6% Säure) direkt auf die Blätter geträufelt kann Gundermann abtöten. Der Nachteil ist, dass er keine Wurzeln abtötet, also muss mehrfach behandelt werden. Außerdem kann Essig den pH-Wert des Bodens verändern, was wiederum dem Rasen schadet. Eher für punktuelle Behandlungen geeignet.
Abdecken: Auf kleineren Flächen kannst du Gundermann mit lichtdichten Folien oder Karton abdecken und für mehrere Wochen im Dunkeln lassen. Ohne Licht geht er ein. Diese Methode eignet sich gut für Randbereiche oder Beete, aber nicht für den Rasen selbst.
Rasenpflege optimieren: Das ist eigentlich kein direktes Bekämpfungsmittel, aber ein dichter, gesunder Rasen ist die stärkste Waffe gegen Gundermann. Mehr dazu im Abschnitt zur Vorbeugung.
Gundermann vorbeugen: So hält er sich gar nicht erst fest
Wer einmal mit Gundermann gekämpft hat, will das nicht jedes Jahr wiederholen. Die gute Nachricht ist, dass du mit ein paar Maßnahmen die Bedingungen so ungünstig für ihn machst, dass er sich kaum noch ausbreiten kann.
Rasen dicht halten: Gundermann besiedelt bevorzugt lückige Stellen. Säe kahle Stellen im Herbst oder Frühjahr nach, damit das Gras keine Lücken lässt. Kahlstellen entstehen oft durch Trockenheit, Trittschäden oder Krankheiten, also behebe diese Ursachen.
Richtig düngen: Stickstoffmangel schwächt das Gras und öffnet Gundermann die Tür. Düng deinen Rasen zweimal im Jahr, im Frühjahr mit einem Langzeitdünger und im Herbst mit einem kaliumbetonten Herbstdünger (ca. 3 bis 5 kg pro 100 Quadratmeter je nach Produkt).
Boden entlüften: Verdichtete Böden fördern Gundermann. Vertikutiere einmal jährlich im Frühjahr und steche bei stark verdichteten Böden mit einer Gabel oder einem Aerifizierer Löcher in den Rasen (alle 10 cm). Das verbessert die Belüftung und gibt dem Gras mehr Kraft.
Rasenhöhe: Lass das Gras auf 5 bis 7 cm Höhe wachsen. Zu kurzgeschnittener Rasen schwächt die Grashalme und gibt Unkräutern mehr Licht. Der Schatten des höheren Grases verhindert, dass Gundermann-Samen keimen und aufgehen können.
Schattige Bereiche gesondert behandeln: In tief beschatteten Bereichen unter Bäumen hat normaler Rasen oft keine Chance. Wechsle dort zu schattenverträglichen Rasenmischungen oder lege einen Schattenrasen an. Alternativ kannst du beschattete Flächen mit Mulch oder schattenverträglichen Bodendecker-Pflanzen gestalten, die dem Gundermann einfach keinen Platz lassen. Ähnlich wie beim Maiglöckchen entfernen gilt auch hier: Wer den Garten aktiv bepflanzt, lässt Unkraut weniger Raum.
Bewässerung anpassen: Gundermann liebt feuchte Böden. Wässere deinen Rasen seltener, aber dafür tiefer. Das fördert tiefes Wurzelwachstum beim Gras und macht den Boden an der Oberfläche etwas trockener, was Gundermann weniger behagt.
Praxistipps: Was wirklich hilft
Nach allem, was du jetzt weißt, hier die Tipps, die im Alltag wirklich den Unterschied machen:
- Früh eingreifen: Sobald du die ersten Ausläufer siehst, direkt handeln. Eine kleine Gundermann-Insel ist in einer Stunde ausgerissen. Wenn er sich erst auf zehn Quadratmetern ausgebreitet hat, ist der Aufwand deutlich größer.
- Nach dem Regen heraus: Nasser Boden macht das Herausziehen der Wurzeln wesentlich einfacher. Plane deine Jätaktionen für den Tag nach dem Regen.
- Entsorgung beachten: Gundermann-Reste nicht auf den Kompost, weil er dort anwurzelt und sich weiterverbreitet. In die Biotonne oder in verschlossene Tüten in den Restmüll.
- Mehrfach behandeln: Egal ob mechanisch oder chemisch, einmal reicht nicht. Plane mindestens zwei bis drei Behandlungsrunden im Abstand von zwei bis vier Wochen.
- Ränder im Blick behalten: Gundermann breitet sich oft von Beeten oder Zaunbereichen in den Rasen aus. Halte diese Grenzbereiche sauber und schneide regelmäßig mit einer Rasenkante nach.
- Kalk prüfen: Ein zu saurer Boden (pH unter 5,5) begünstigt Unkräuter und schwächt das Gras. Lass den Boden testen (pH-Test aus dem Baumarkt, ca. 5 bis 15 Euro) und kalk bei Bedarf mit 150 bis 200 g Rasen-Kalk pro Quadratmeter.
Fazit
Gundermann im Rasen ist kein Zeichen von schlechtem Gärtnern, sondern von falschen Bedingungen. Entweder stimmt das Lichtangebot nicht, der Boden ist verdichtet oder der Rasen ist zu schwach. Wer das versteht, kann nicht nur den vorhandenen Gundermann loswerden, sondern ihn dauerhaft fernhalten.
Am wirkungsvollsten ist die Kombination aus mechanischem Ausreißen im Frühjahr, anschließendem Nachsäen der kahlen Stellen und konsequenter Rasenpflege über die gesamte Saison. Herbizide sind eine Option für starken Befall, sollten aber gezielt und mit Bedacht eingesetzt werden. Wer seinen Rasen regelmäßig düngt, belüftet und auf die richtige Schnitthohe achtet, wird feststellen, dass Gundermann mit jedem Jahr weniger ein Thema ist.
Kurz gesagt: Dranbleiben lohnt sich. Ein gesunder Rasen ist der beste Schutz gegen jedes Unkraut.
Häufige Fragen zu Gundermann im Rasen
Wann ist der beste Zeitpunkt, Gundermann zu bekämpfen?
Der beste Zeitpunkt ist das Frühjahr, wenn der Gundermann aktiv wächst. Im Frühjahr lässt er sich mechanisch leichter ausreißen und Herbizide wirken am besten, weil die Pflanze im Wachstumsmodus ist und den Wirkstoff schnell aufnimmt. Auch der Spätsommer eignet sich gut für eine zweite Behandlungsrunde.
Kann ich Gundermann einfach wegmähen?
Mähen allein hilft nicht. Gundermann überlebt den Rasenmäher problemlos, weil er so niedrig wächst und seine Ausläufer flach über den Boden kriegen. Der Rasenmäher schneidet zwar die Blätter, aber nicht die Wurzeln oder Ausläufer. Du musst die Pflanzen wirklich aus dem Boden entfernen.
Hilft Rasendünger gegen Gundermann?
Nicht direkt, aber indirekt. Dünger macht deinen Rasen stärker und dichter, wodurch Gundermann weniger Platz zum Ausbreiten findet. Düngen allein reicht nicht, um vorhandenen Gundermann loszuwerden, aber es ist ein wichtiger Teil der langfristigen Vorbeugung.
Ist Gundermann giftig für Hunde oder Katzen?
Gundermann enthält ätherische Öle und kann bei Haustieren in größeren Mengen zu Magenreizungen führen. Für Menschen ist er nicht giftig, wird in manchen Regionen sogar als Wildkraut in der Küche verwendet. Dennoch sollten Haustiere nicht gezielt daran knabbern. Nach der Behandlung mit Herbiziden gilt die Wartezeit auf dem Etikett für Tiere und Kinder unbedingt einhalten.
Wie lange dauert es, Gundermann vollständig loszuwerden?
Das hängt davon ab, wie stark der Befall ist und wie konsequent du vorgehst. Bei leichtem Befall und mechanischer Bekämpfung reichen oft vier bis sechs Wochen mit mehreren Behandlungsrunden. Bei starkem Befall kann es eine ganze Gartensaison dauern, bis der Gundermann wirklich verschwunden ist. Mit chemischen Mitteln geht es schneller, aber auch dort ist eine Nachbehandlung nach drei bis vier Wochen meistens nötig.
