- Herd abklemmen ist für Laien rechtlich heikel: Nach § 13 Abs. 2 NAV ist die feste Elektroinstallation grundsätzlich eingetragenen Installationsbetrieben vorbehalten – eigene Elektrokenntnisse ersetzen das nicht.
- Pflicht: Strom abschalten (Sicherung raus), spannungsfrei prüfen, gegen Wiedereinschalten sichern.
- Beim Wiederanschluss empfiehlt sich ein Elektriker – Herde laufen meist über 400V Drehstrom.
- Werkzeug: zweipoliger Spannungsprüfer nach DIN EN 61243-3 (zwingend – kein einpoliger Phasenprüfer!), VDE-isolierte Schraubendreher, Handschuhe.
- Bei Unsicherheit immer Elektriker rufen – Lebensgefahr durch Stromschlag.
Wenn du deine Küche renovierst oder einen alten Herd entsorgen willst, stellt sich oft die Frage: Kannst du den Herd selbst abklemmen oder muss zwingend ein Elektriker ran? Die Antwort liegt zwischen Ja und Nein – rechtlich erlaubt, aber sicherheitstechnisch nicht trivial. Hier zeige ich dir, was du wissen musst und wie du sicher vorgehst.
⚠️ Der Elektroherd hängt an 400 Volt – das ist kein Heimwerkerthema
Bevor du weiterliest: Ein Elektroherd ist fest angeschlossen und hängt in aller Regel an 400 V Drehstrom. Das ist etwas völlig anderes als eine Steckdose. Ein Fehler hier ist nicht „ärgerlich“, sondern potenziell tödlich – und im Zweifel brennt die Küche.
Rechtlich ist die Lage eindeutig: Nach § 13 Abs. 2 NAV dürfen Arbeiten an der festen Hausinstallation „außer durch den Netzbetreiber nur durch ein in ein Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers eingetragenes Installationsunternehmen durchgeführt werden“. Das Ab- und Anklemmen eines Herds fällt genau darunter. Wer es selbst macht, riskiert außerdem den Versicherungsschutz.
Und ein Irrtum, der hier besonders gefährlich ist: Ein einpoliger Phasenprüfer („Lügenstift“) ist kein Nachweis für Spannungsfreiheit. Er kann bei Drehstrom eine tote Phase anzeigen, während die anderen beiden weiter Spannung führen. Fachleute prüfen zweipolig – und zwar allpolig gegen alle Leiter.
Rechtliche Lage
Hier ist die Sache enger, als viele denken. Nach § 13 Abs. 2 der Niederspannungsanschlussverordnung (NAV) dürfen die elektrische Anlage hinter der Hausanschlusssicherung nur der Netzbetreiber oder ein Installationsunternehmen errichten, erweitern und ändern, das in ein Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers eingetragen ist. Die Herdanschlussdose gehört zu dieser festen Installation.
Wer dort selbst Adern löst, bewegt sich also in aller Regel außerhalb dessen, was die NAV Laien zugesteht – unabhängig davon, wie einfach der Handgriff wirkt. Die Verordnung stellt auf die Eintragung ins Installateurverzeichnis ab, nicht auf dein persönliches Können. Für den Wiederanschluss gilt dasselbe: Beide Richtungen sind Arbeiten an derselben Anlage, eine Trennung „Abklemmen ja, Anschließen nein“ kennt die NAV nicht.
Das heißt nicht, dass die Polizei klingelt, wenn du den alten Herd rausziehst. Es heißt: Du trägst das Risiko allein – technisch wie versicherungsrechtlich. Wenn du unsicher bist, ist der Fachbetrieb nicht nur der sichere, sondern auch der günstigere Weg.
Schritt 1: Strom sicher abschalten
Bevor du irgendetwas am Herd machst, muss er stromfrei sein. Vorgehen:
- Im Sicherungskasten die passende Sicherung ausfindig machen (oft drei zusammengehörige Sicherungen)
- Sicherungen ausschalten – zwingend alle Phasen, nicht nur eine
- Mit einem zweipoligen Spannungsprüfer allpolig kontrollieren, dass an keiner Ader mehr Spannung anliegt (geprüft wird Spannung, nicht Strom)
- Den Sicherungskasten mit einem Schild oder einer Klebebandnotiz sichern („Nicht einschalten!“)
Schritt 2: Anschlussdose öffnen
Hinter dem Herd – oft in der Wand oder am Boden – sitzt die Anschlussdose. Sie hat einen abnehmbaren Deckel.
- Deckel abschrauben (meist 2 oder 4 Schrauben)
- Im Inneren siehst du das Anschlusskabel mit 5 Adern: 3 Phasen (L1, L2, L3), Neutralleiter (N) und Schutzleiter (PE)
- Bei älteren Anlagen können es auch 4 Adern sein
Schritt 3: Kabel abklemmen
Bei den meisten Anschlussdosen sind die Kabel mit Klemmen oder Schrauben befestigt.
- Mit dem zweipoligen Spannungsprüfer nochmal jede Ader gegen N und gegen PE prüfen
- Klemmen oder Schrauben lösen, Adern vorsichtig herausziehen
- Adern beschriften (mit Klebeband und Stift), welche zu welcher Klemme gehören
- Adern voneinander isolieren oder einzeln umwickeln
Schritt 4: Herd vom Standort entfernen
Jetzt kannst du den Herd ohne Kabel aus der Küche heben oder schieben. Achtung: Backöfen sind schwer – nicht alleine!

Wann unbedingt ein Elektriker?
- Wenn du dir beim Feststellen der Spannungsfreiheit unsicher bist
- Wenn das Kabel beschädigt aussieht (offene Stellen, Brandspuren)
- Wenn der Herd mehr als 5 Anschlüsse hat (Sonderkonstruktion)
- Bei Mietwohnung – dann muss die Versicherung greifen
- Wenn der Sicherungskasten verwirrend ist und du die richtigen Sicherungen nicht eindeutig findest
Häufige Fehler
Nur eine Phase abgeschaltet: Bei Drehstrom hängen drei Phasen am Herd. Wer nur eine ausschaltet, hat trotzdem Spannung.
Falsches Prüfgerät benutzt: Sicherung raus heißt nicht automatisch spannungsfrei – und ein einpoliger Phasenprüfer kann dir Spannungsfreiheit sogar vortäuschen, die gar nicht da ist. Immer allpolig mit einem zweipoligen Spannungsprüfer messen.
Adern nicht beschriftet: Wer beim Wiederanschluss nicht weiß, welche Ader wohin gehört, hat ein Problem.
Falsche Werkzeuge: Mit unisolierten Werkzeugen am Strom zu arbeiten ist lebensgefährlich. VDE-zertifizierte Schraubendreher sind Pflicht.
Fazit
Technisch ist das Abklemmen kein Hexenwerk – rechtlich und sicherheitstechnisch ist es aber heikler, als es aussieht. Die feste Installation ist nach § 13 Abs. 2 NAV grundsätzlich eingetragenen Installationsbetrieben vorbehalten, und die Spannungsfreiheit lässt sich nur mit einem zweipoligen Spannungsprüfer zuverlässig feststellen – nicht mit dem 5-Euro-Stift aus dem Baumarkt. Wenn du es trotzdem selbst machst: alle Phasen abschalten, gegen Wiedereinschalten sichern, allpolig messen, Adern beschriften. Den Neuanschluss solltest du in jedem Fall einem Fachbetrieb überlassen. Die 50 bis 100 Euro Anschlusskosten sind gut investiert, wenn du dafür gesicherte Funktion und einen sauberen Versicherungsschutz bekommst.
FAQ
Darf ich als Mieter den Herd selbst abklemmen?
Auch als Mieter greifst du damit in die feste Installation der Wohnung ein, die nach § 13 Abs. 2 NAV grundsätzlich eingetragenen Installationsbetrieben vorbehalten ist. Kläre es vorher mit dem Vermieter – und rechne damit, dass du bei einem Schaden in der Nachweispflicht bist. Führst du ihn grob fahrlässig herbei, darf der Versicherer seine Leistung nach § 81 Abs. 2 VVG entsprechend kürzen.
Was kostet ein Elektriker für Ab- und Anklemmen?
Anfahrt 30 bis 60 Euro plus Stundensatz 60 bis 100 Euro. Insgesamt 80 bis 200 Euro je nach Aufwand.
Brauche ich einen Spannungsprüfer?
Ja – aber den richtigen. Der einpolige Phasenprüfer für 5 Euro aus dem Baumarkt ist dafür ausdrücklich nicht geeignet: Er prüft nur gegen Erde durch deinen Körper, leuchtet bei Phantomspannungen ohne echte Quelle und übersieht bei einem Neutralleiterbruch reale Phasen – daher der Spitzname „Lügenstift“. Zum Feststellen der Spannungsfreiheit verlangen die 5 Sicherheitsregeln (DIN VDE 0105-100) einen zweipoligen Spannungsprüfer nach DIN EN 61243-3, mindestens CAT III. Den gibt es ab etwa 30 bis 60 Euro. Prüfe damit vor und nach der Messung an einer bekannten Spannungsquelle, ob das Gerät überhaupt funktioniert.
Was passiert, wenn ich einen Fehler beim Anschluss mache?
Im besten Fall funktioniert der Herd nicht. Im schlimmsten Fall gibt es einen Kurzschluss, Brand oder Stromschlag beim Wiedereinschalten.
Reicht das einfache Ausschalten am Sicherungskasten?
Nein. Schalte immer den FI-Schalter und alle zugehörigen Sicherungen aus, sichere gegen Wiedereinschalten und kontrolliere anschließend allpolig mit einem zweipoligen Spannungsprüfer, dass wirklich keine Spannung mehr anliegt.
